Review: Welkin – unser Schloss im Himmel

Der erste Blick auf das Spiel: Schwebende kleine Inseln mit Bauwerken darauf – da dachten wir an den Ghibli-Klassiker Das Schloss im Himmel. Damit hat Welkin jedoch nichts gemein. Ein tolles Spiel ist es dennoch.

Dieses Spiel wurde uns als SPIEL-Supportern durch Board Game Box zur Verfügung gestellt. Es gehört nicht zu unserem Fundus an Spielen, welche wir auf Events supporten.

Thematik

Das Spielmaterial auf einen Blick

Wir sind Baumeister in einer Welt, in der bewohnbares Land in der Luft schwebt. Um Bauwerke zu errichten generieren wir Ressourcen, und hoffen sie möglichst teuer verkaufen zu können. Letztlich ist es unser Ziel, am Ende das meiste Vermögen angehäuft zu haben.

Damit ist der Fluff auch schon abgehandelt – Welkin ist ein ziemlich abstraktes Spiel, der Hintergrund macht sicher durch die Illustrationen bemerkbar. Dem Spielspaß tut dies jedoch keinen Abbruch.

Spielmaterial

Das enthaltene Spielmaterial ist überaus farbenfroh, und qualitativ solide. Die Marker und Spielbretter aus stabiler Pappe, die Karten (in Übergröße) angenehm stabil.

Sehr schön ist auch wieder der Box-Aufbau, an dem alles seinen festen Platz hat.

Tolles Box-Inlay

Das Plastik-Inlay hat sogar etwas Verzierung, und jedes Fach hat gestanzte Symbole, was hier einsortiert werden soll. Klasse!

Allerdings ist vom Inlay zum Deckel etwas Luft, wo sich anfangs die Stanzbögen mit Markern befunden haben. Für das Einsortieren in die Box ist es daher dringend angeraten, alles in Zip-Beuteln zu verpacken.

Spielablauf

Aufbau

Das Hauptspielbrett kommt in die Mitte, die zehn Handelschips werden zufällig gelegt und dann auf die jeweiligen Plätze verteilt. Hier zeigt sich schon der erste Clou: Für jede der fünf Ressourcen-Arten gibt es vier Plätze – insgesamt also 20. Jeder der zehn Handelschips hat auf Vorder- und Rückseite eine andere Ressource abgebildet – so kommen wir mit den Chips auf die 20 Ressourcen, allerdings können immer nur 10 davon im Spiel sein. Anhand einer kleinen Abbildung können wir außerdem sehen, was sich auf der Rückseite befindet – das ist wichtig, denn im Verlauf werden wir öfters Handelschips umdrehen. Warum wir das tun? Nun, wenn wir Bauwerke verkaufen sind die dafür verbrauchten Ressourcen jeweils soviel wert, wie aktive Handelschips ihrer jeweiligen Art ausliegen – ergo zwischen 0 und 4.

Ein Blick auf das Hauptspielbrett mit ausliegenden Handelschips und Baustellenaufträgen

Zurück zum Aufbau: Die Gold- und Ressourcenmarker werden griffbereit ausgelegt, und je nach Spielerzahl erstellen wir einen Stapel aus Bauaufträgen mit 20 oder 24 Karten – von 46. Der Stapel wird ebenfalls griffbereit gelegt, und die ersten fünf Bauaufträge werden am Hauptspielbrett ausgelegt.

Jeder Spieler erhält nun noch ein Tableau und fünf Produktionschips – von jeder Ressourcensorte eines – und legt diese mit der Ressourcenseite nach oben auf dem Spielertableau ab.

Spielerzug

Reihum nehmen die Spieler ihren Zug, der grundsätzlich nur aus einer (!) Aktion besteht. Zur Auswahl stehen derer drei:

  • Eine Baustelle eröffnen: Man nimmt sich eine der ausliegenden Baustellen und legt sie bei sich an. Man darf maximal zwei aktive Baustellen haben. Befindet sich auf der neuen Baustelle oben links ein bestimmtes grünes Symbol dreht man nun noch einen der Handelschips um. Zuletzt wird eine neue Baustelle ausgelegt.
  • Ressourcen herstellen: Für diese Aktion muss einer der fünf eigenen Produktionschips umgedreht werden.
    Die fünf Produktionschips und einmal deren Rückseite

    Für jeweils ein Gold darf man aber auch noch weitere umdrehen. Toller Mechanismus: Auf der Rückseite der Chips steht „+1“ – und wir generieren so viele Ressourcen, wie „+1“-Seiten ausliegen. Allerdings nur von den Arten, die noch mit der Ressourcenseite oben liegen. So ist es zwar möglich, bis zu vier Ressourcen zu erschaffen – dann allerdings nur noch aus einer „Auswahl“ von einer Art. Die hergestellten Ressourcen werden durch Marker dargestellt und zunächst auf unserem Tableau ausgelegt – bis zu einem Maximum von 4 Stück.

  • Ressourcen verwenden: Hiermit können wir bei uns ausliegende Ressourcen auf unsere Bauaufträge verteilen. Die meisten benötigen ganz bestimmte, festgelegte Ressourcen. Wenn alle angezeigten Slots voll sind ist das Bauwerk errichtet – und wird sofort verkauft. Für jede verwendete Ressource erhalten wir soviel Gold, wie es derzeit Handelschips dieser Ressource gibt.
Ein Blick auf den eigenen Spielbereich, mit zwei offenen Baustellen

Durch die kurzen Züge mit nur einer Aktion besteht eine positiv erwähnenswerte geringe Downtime. Der Mechanismus zur Ressourcengewinnung überzeugt auch – simpel, aber genial. Schnell fängt man an, voraus zu planen und abzuwägen, ob es sich lohnt Gold zu investieren um mehr Produktionschips umdrehen zu dürfen. So entsteht trotz simpler Regeln eine gewisse strategische Tiefe.

Diese wird ergänz um weitere Sondersymbole auf vielen Bauwerken: Die Symbole oben rechts repräsentieren Effekte, die man – sofern man die Baustelle erfolgreich fertig gestellt hat – einmalig vor oder nach einem seiner Züge nutzen kann. Darunter Aktionen wie Ressourcen verwenden oder eine Baustelle eröffnen, aber auch besondere Aktionen wie zwei Handelschips umdrehen oder unfertige Bauwerke verkaufen zu dürfen.

Diese Effekte tragen mitunter auch zur Entscheidung bei, welche Baustellen man eröffnet: Während einige Aktionen generell nützlich sind, lohnt es sich zum Spielende ungemein auch unfertige Bauwerke verkaufen zu können. Wie gesagt – leichte Regeln, aber mehr Strategie und Abwägen als man zunächst vermutet.

Zuletzt, drei Beispiele für Baustellenkarten:

Beispiele für Baustellen-Karten

Links: Wenn wir diese eröffnen dürfen wir einen Handelschip umdrehen (Symbol links oben). Bei Fertigstellung erhalten wir die einmalige Spezialfähigkeit, dass wir unfertige Baustellen verkaufen dürfen.
Mitte: Im Gegensatz zur vorherigen bernötigen wir hier nicht nur zwei, sondern drei Ressourcen zum Bauen – aber dafür auch nur von einer Sorte (Lava). Bei Fertigstellung erhalten wir die einmalige Spezialfähigkeit, eine Baustelle zu eröffnen ohne eine Aktion dafür verwenden zu müssen.
Rechts: Keine Sonderfähigkeiten – aber dafür zeigen die Ressourcenplätze an, dass wir hier (Diaamt = Joker) beliebige Ressourcen verwenden können.

Spielende

Wird eine Baustelle eröffnet und es kann keine Neue nachgelegt werden hat jeder weitere Spieler noch einen Zug – dann endet das Spiel. Wer am Ende das meiste Gold besitzt hat gewonnen.

Daten & Sonstiges

Daten gemäß Angaben des Herausgebers:

  • Verlag: Board Game Box und Ankama
  • Autor: Fabien Tanguy
  • Erscheinungsjahr: 2019
  • Sprache: Deutsch, Englisch, Französisch
  • Spieleranzahl: 2 – 4
  • Alter: 10+
  • Spieldauer: 40 min
  • Preis: 40 EUR

Das Spiel verzichtet komplett auf Sprache auf dem Spielmaterial. Allerdings wird man anfangs zur Anleitung greifen müssen, um nachzulesen welche Effekte die Symbole auf den Baustellen mit sich bringen.

Grundsätzlich lässt sich das Familienspiel wohl auch mit etwas jüngeren Spielern spielen.

Fazit

Die hübsche, farbenfrohe Gestaltung und die simplen Regeln erwecken leicht den Eindruck, hier ein kleines Kinderspiel vor sich zu haben. Ein Fehler! Das Familienspiel lässt sich zwar auch mit Kindern gut spielen, überrascht aber auch mit einer unerwartet strategischen Spieltiefe.

Im laufendem Spiel

Dank der tollen Mechanismen der Handelschips, vor allem aber zur Ressourcengewinnung, überzeugt Welkin auch spielerisch, ohne das Gefühl von „wie in…“ zu vermitteln. Dass eine Runde schnell gespielt ist und – auch dank der weit mehr Karten als in einer Runde benutzt werden – hohe Wiederspielbarkeit gegeben ist, kommt noch hinzu.

So kann man nur sagen: Zwar abstrakt, aber dafür schnell, regelarm, strategisch und mit tollen Mechaniken immer wieder für eine Runde gut.

Titelbild: Board Game Box
Fotografien: Team Fresssack

Schreibe einen Kommentar

Ich akzeptiere