Review: Tanto Cuore – Deckbuilding mit Maids

Eines der wohl bekanntesten Kartenspiele im Manga-Stil: Tanto Cuore, oft beschrieben als „Dominion mit Maids“. Was absolut nichts Schlechtes ist! Was viele aber nicht wissen: Es gibt bereits seit einiger Zeit auch eine deutsche Ausgabe des Klassikers.

Dieses Spiel wurde uns durch Board Game Box als Demospiel zur Verfügung gestellt. Es gehört zu unserem Fundus an Spielen, welche wir auf Events supporten.

Thematik

In Tanto Cuore nehmen die Spieler jeweils die Rolle eines Hausherren ein. Als solcher stellt man in der Stadt neue Dienstmädchen (aka Maids) ein, wodurch das Haus (repräsentiert durch das eigene Kartendeck), immer mehr bevölkert wird. Am Ende gewinnt der Hausherr, dessen Personal insgesamt die meisten Siegpunkte erzeugt.

Leider erschöpft sich die thematische Beschreibung durch den Text auf der Verpackung; die Anleitung selbst fügt dem nichts hinzu. Dennoch kommt das Thema im Spiel gut herüber: Hier werden keine Karten gekauft, sondern Dienstmädchen eingestellt; statt Flüchen oder ähnlichem werden Krankheiten verteilt – an das Personal; statt Aktionen durch Karteneffekte durchzuführen, „bedienen“ die Dienstmädchen den Hausherren. Gegenüber einem Dominion und vielen anderen Deckbuildern ist Tanto Cuore trotz der marginalen Beschreibung wesentlich thematischer und in sich stimmiger umgesetzt.

Spielmaterial

Das Innere der Box, schön sortiert

Statt einem Standard-Brettspielkarton kommt das Spiel wesentlich kompakter verpackt in einer Art Aufbewahrungsbox für Sammelkarten. Schönerweise sind passende Trennkarten enthalten, so dass die Box nicht nur platzsparend, sondern auch gut geordnet ist. Demgegenüber muss man leider erwähnen, dass es keine Zufallskarten gibt, um sich seine Auslage per Zufall zu ziehen – schade.

Die insgesamt 280 Karten in Standard-Pokerkartengröße sind absolut marktüblich hinsichtlich Qualität und überaus schön illustriert – sofern man mit Manga-Mädchen in Maid-Kleidern etwas anfangen kann. Weiteres Spielmaterial abseits der Karten gibt es nicht.

Spielablauf

Aufbau

Ein beispielhafter Aufbau der Stadt

Der Aufbau ähnelt dem vieler anderer Deckbuilder – Kern ist es, die Auslage, die sich hier Stadt nennt, auf den Tisch zu bringen.

Folgende Kartenarten werden dabei in jeder Partie ausgelegt:

  • Liebeskarten: Es werden jeweils Stapel mit 1, 2 und 3 Liebe ausgelegt. Liebe ist bei Tanto Cuore die Währung, mit der wir neue Karten kaufen.
  • Ereigniskarten: Jeweils ein Stapel für Krankheiten und Schlechte Angewohnheiten. Krankheiten können durch einen Karteneffekt, den die Krankheiten selbst mitbringen, wieder kuriert werden – bis dahin verliert das „kranke“ Dienstmädchen alle Fähigkeiten und Siegpunkte. Schlechte Angewohnheiten dagegen können nicht durch sich selbst entfernt werden und sind jeweils -1 Siegpunkt „wert“ – wenn man am Ende des Spiels 4 oder mehr davon hat, sogar jeweils -2 Siegpunkte je entsprechender Karte.
  • Obere Dienstmädchen: Die beiden Oberen Dienstmädchen, Marianne und Colette, werden ebenfalls in eigenen Stapeln ausgelegt. Diese beiden sind vor allem zur Generierung von Siegpunkten gut und entsprechen damit am ehesten den klassischen Punktekarten.
  • Persönliche/Private Dienstmädchen: Die zehn einzelnen Mädchen dieser Art werden in einen Stapel gemischt und verdeckt gelegt. Hiernach werden die obersten zwei Karten hiervon aufgedeckt und neben dem verdeckten Stapel ausgelegt.
  • Einfache Dienstmädchen: Diese entsprechen am ehesten den Aktionskarten bei Dominion und bilden den zufälligen Part beim Aufbau der Stadt. Von den 16 verfügbaren werden 10 ausgelegt – oder nach Gutdünken. Für das erste Spiel gibt es eine Empfehlung, welche einfachen Dienstmädchen in der Stadt ausgelegt werden sollen.

Die Spieler erhalten zu Beginn 7 Karten mit je 1 Liebe, und 3 Colette – ganz klassisch, wie bei Dominion. Diese 10 Karten mischt man zusammen, und zieht die obersten 5 als Starthand.

Spielerzug

Zu Beginn des Spiels – aufgenommen auf der AniRo-Con

Tanto Cuore spielt sich überwiegend sehr klassisch – weswegen gerade Spieler von Dominion sich schnell zurechtfinden werden. Der grundsätzliche Ablauf ist sogar identisch, wird allerdings durch ein paar Besonderheiten ergänzt (siehe unten).

Der eigene Zug beginnt mit der Startphase, in der Auswirkungen einiger Karte triggern können – dies ist dann auf der jeweiligen Karte vermerkt. Einfacher gesagt: Folgt den Anweisungen auf der Karte.

In der folgenden Bedienungsphase können wir nun Dienstmädchen(-karten) von der Hand ausspielen und ihre Effekte abhandeln. Generell startet man jede Runde mit nur einem „Bedienen“, was bedeutet: Man kann nur eine Karte dieser Art spielen. Allerdings generieren einige Dienstmädchen weiteres „Bedienen“, wie auch eventuell zusätzliche Karten (die man sofort zieht), Liebe (sprich Währung) und Einstellungen. Dies wird durch Symbole auf den Karten dargestellt.

Anatomie einer Karte:

Oben links stehen die Kosten, um das Dienstmädchen einzustellen; mittig ihr Name, und rechts etwaige Siegpunkte.

Unter der Abbildung finden sich in der Mitte , sofern vorhanden, zusätzliche Effekte und Sonderregeln. Die Symbole links stehen für zusätzliche Karten (oben) und Liebe (unten); rechts für zusätzliches Bedienen (oben) und Einstellen (unten).

Die Liebeskarten sehen auf den ersten Blick identisch aus – das Artwork unterscheidet sich aber im Detail

Die reinen Währungs-/Liebeskarten müssen nicht gesondert gespielt werden. Diese können in der dritten Phase, der Einstellungsphase, einfach ausgespielt werden. Hier können neue Karten erworben werden – generell jedoch nur eine einzige, sofern man in der vorherigen Phase keine extra Einstellungen erhalten hat. Neu erworbene Karten wandern dabei grundsätzlich auf den Ablagestapel.

Dorthin gehen auch alle gespielten und noch auf der Hand befindlichen Karten in der Ablagephase. Alle nicht verbrauchten Liebe, Einstellungen und Bedienen verfallen und der Zug endet mit dem Ziehen fünf neuer Karten vom Nachziehstapel. Generell gilt, typisch für Deckbuilder: Ist der Nachziehstapel leer, wird der Ablagestapel gemischt und bildet den neuen Nachziehstapel.

Besonderheiten

Soweit wäre Tanto Cuore nahezu 1:1 wie Dominion – schönerweise wird das Spielprinzip jedoch um einige Besonderheiten ergänzt. Die bedeutendste Ergänzung sind die Kammermädchen: Diese Dienstmädchen befinden sich nicht im Deck, sondern im sogenannten Privatzimmer. Heißt, sie verstopfen nicht das Deck, sondern werden abseits gelegt. Einige der Einfachen als auch der Obersten Dienstmädchen können durch das Ausgeben von Bedienen zu Kammermädchen gemacht werden – inklusive Colette, von der wir drei zu Beginn im, Deck haben, die jedoch abseits von Siegpunkten keinen Nutzen hat und wie das Anwesen bei Dominion erstmal nur im Weg ist.

Sogenannte Private Mädchen

Auch die „privaten Mädchen“, von der es zehn gibt (jedoch nur zwei immer gleichzeitig ausliegen und erwerbbar sind), sind quasi Kammermädchen. Allerdings sind sie dies sofort nach Einstellung – statt auf den Ablagestapel gehen diese Maids direkt in das abseits gelegene Privatzimmer und gewähren ihre Fähigkeiten dauerhaft – allerdings immer nur die, die zuletzt eingestellt wurde.

Und an dieser Stelle kommen die Krankheiten ins Spiel: Im Gegensatz zu Schlechten Angewohnheiten, die man kauft und einem anderen Hausherren als negative Siegpunkte ins Privatzimmer legt, werden Krankheiten direkt Dienstmädchen in einem Privatzimmer zugewiesen, wodurch diese alle Fähigkeiten und Siegpunkte verliert – als wäre sie nicht mehr existent. Durch das Ablegen einer „3 Liebe“-Karte oder Effekte anderer Karten kann die Krankheit allerdings auch wieder geheilt werden.

Spielende

Marianne und Colette sind das Äquivalent zu Siegpunktkarten – Colette kann für 2 Bedienen zum Kammermädchen gemacht werden

Sobald zwei Mädchen-Kartenstapel leer sind, führt der aktive Spieler seinen aktuellen Zug zu Ende. Danach endet das Spiel und die Siegpunkte auf der Hand, im Deck und im Privatzimmer werden zusammen gezählt.

Einige Karten haben dabei besondere Bedingungen, unter denen sie mehr oder überhaupt erst Siegpunkte gewähren. Wer letztlich die meisten Siegpunkte hat, ist SiegerIn und wird zum „König der Mädchen“ gekrönt.

Daten & Sonstiges

  • Verlag: Japanime Games und Arclight Games; deutsche Version über Board Game Box
  • Autor: Hironatsu Yamada
  • Erscheinungsjahr: 2017 (deutsche Ausgabe), 2009 (Original-Ausgabe)
  • Sprache: Deutsch
  • Spieleranzahl: 2 – 4
  • Alter: 12+
  • Spieldauer: 30 – 60 min
  • Preis: 45,00 EUR

In den vergangenen Jahren sind vier weitere, eigenständig spielbare als auch kompatible Tanto Cuore erschienen. Tanto Cuore – Oktoberfest ist inklusive Promokarten bei Board Game Box in deutscher Übersetzung erschienen, die anderen drei sind bislang noch nicht in deutscher Sprache verfügbar. Auch der kleine 2-Spieler-Ableger Doki Doki Beachvolleyball ist bislang nur in Englisch erhältlich.

Beim amerikanischen Herausgeber Japanime Games gibt es die englische Anleitung zum Download als PDF.

Fazit

Dominion mit Manga-Mädchen“ trifft es durchaus gut – wird dem Spiel aber nicht ganz gerecht. Tanto Cuore übernimmt zwar fast alles vom bekannten Spiel des Jahres 2009, ergänzt jedoch eigene Elemente und setzt seine Thematik weitaus stimmiger um als der bekannte Deckbuilder.

Dominion-Spieler werden sich auf jeden Fall schnell zurechtfinden – allerdings muss man im Vergleich eingestehen, dass die Abwechslung hier (mit nur 16 unterschiedlichen Zufalls-Karten, von denen 10 pro Partie gespielt werden) geringer ausfällt, auch wenn noch die „privaten Mädchen“ hinzukommen. Spaß macht das Spiel natürlich dennoch, und auch ein Wiederspielwert ist gegeben. Letztlich dürfte der klassische Familienspieler, der Dominion und andere Spiele des Jahres kauft, aber wohl eh nicht die Hauptzielgruppe sein – sondern der Coregamer, der bewusst etwas abseits des Massenmarktes sucht, und Mangafans, die ein passendes Spiel suchen. Beide Gruppen dürften mit Tanto Cuore glücklich werden und sollten mal einen Blick wagen, sofern sie das Spiel nicht eh schon kennen.

Titelbild: Scan-Ausschnitt der Spielverpackung
Produktbild: Board Game Box

Fotografien: Team Fresssack

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