Review: Monster Slaughter – lasst uns Studenten fressen!

Ein Spiel, was nichts mit Manga/Anime, nicht einmal mit Videospielen zu tun hat, und trotzdem in unserem Support ist: Monster Slaughter. Warum wir für dieses Spiel eine Ausnahme gemacht haben? Es ist irre unterhaltsam, steckt voller Popkultur-Referenzen und zudem ein echter Hingucker!

Dieses Spiel wurde uns als Supportern des Verlags durch Board Game Box zur Verfügung gestellt. Es gehört zu unserem Fundus an Spielen, welche wir auf Events supporten.

Thematik

Welcher Horrorfan kennt es nicht? Eine verlassene Hütte im Wald, eine Gruppe Teenager, kein Handyempfang… und nachts kommen die Monster. Das absolute Klischee – in Monster Slaughter spielen wir genau das. Allerdings spielen wir die Monster, mit dem Ziel, unsere jungen Leckerbissen zu fressen!

Im laufendem Spiel – drei Monster unterschiedlicher Familien sind zusammen mit zwei Opfern im Wohnzimmer

Das Spiel beginnt dabei vor Mitternacht und läuft bis zum Morgen um 8 Uhr. In dieser Zeit wird es einige Zufallsereignisse geben, und es wird auch ein Überraschungsgast auftauchen, der mitunter Ähnlichkeiten mit bekannten Film-Persönlichkeiten haben wird. Wie so einiges im Spiel – es steckt voller Hommagen.

Auch unsere fünf Studenten verkörpern eine sehr typische Gruppe:

  • Britney, eine Cheerleaderin
  • Kam, ein Kiffer
  • Laika, ein Nerd-Mädchen
  • Tom, ein People of Color
  • Bob, eine Sportskanone

Und um gleich eine – aus Support-Erfahrung – häufig vorgebrachte Frage zu beantworten: Ja, Tom hat die wenigsten Lebenspunkte. Ja, das ganze Spiel trieft vor Klischee – und ist dabei nicht immer politisch korrekt.

Spielmaterial

Dass Monster Slaughter einiges an Material enthält verrät schon der Karton: Während Standard-Brettspielkartons nur knapp 31 x 31 cm breit sind, protzt unser Monsterspiel mit 36 x 36 cm Breite in Übergröße auf – dazu ist das Karton 10 cm hoch.

Der untere Karton dient zudem als Hütte – raffiniert! Darin finden wir eine große Schachtel aus braunem Karton, in welchem die Spielkomponenten untergebracht sind. Grundsätzlich lässt sich alles gut verstauen beziehungsweise hat passende Aussparungen im Plastik (Karten, Würfel, Miniaturen). Da jedoch nach oben Raum bleibt, empfiehlt es sich die Kartonreste als Puffer zu verwenden oder Marker und Co in Zip-Beuteln zu verstauen, damit Ordnung bleibt (und es nicht aussieht wie in unserer Box).

Generell ist die Qualität des Materials ausgezeichnet. Die Figuren aus Brettspielplastik sind recht groß, schön gestaltet und können mit jenen von Marktführer CMON mithalten. Die Karten in Standrad-Pokerkartengröße sind spürbar beschichtet, die vielen Marker hinreichend stabil und leicht aus ihren Rahmen zu lösen.

Die Würfel für Monster (oben) und Opfer (unten) unterscheiden sich durch Farbe und Erfolgssymbol – die Verteilung ist jedoch identisch

Lediglich die Türen und Barrikaden sind etwas unglücklich produziert: Theoretisch sollen sich diese leicht aufbiegen lassen, um auf die Aussparungen der Wände gesetzt zu werden. Dies führt allerdings leicht dazu, dass sie innen reißen. Benutzen lassen sie sich dennoch, und auch nachkleben ist leicht gemacht – dies ist also Jammern auf hohem Niveau. Ein weiterer Kritikpunkt ist die ausschließlich grafische Darstellung der Effekte auf den Spezial-Objektkarten und Charakteren – ein einzelner Satz wäre schöner gewesen und würde den Griff zum Regelwerk das ein oder andere mal vermeiden.

Spielablauf

Aufbau

Vor dem Spiel steht der Aufbau – der bei einem Spiel dieser Größenordnung selbstverständlich einige Minuten dauert.

Das vollständig aufgebaute Spiel benötigt einigen Platz

In die Mitte des Tisches kommt die Hütte selbst, drumherum das Außenspielfeld. In die Hütte selbst fügen wir die passenden Trennwände ein, indem wir diese einfach einstecken. Auf die offenen Stellen der Wände setzen wir die Türen auf, was ein wenig fummelig sein kann.

Von den insgesamt 13 Karten für Nächtliche Ereignisse, von denen jedoch einige nicht für das Basisspiel geeignet sind, werden sieben Stück gemischt. Unter die obersten drei Karten mischen wir nun noch die Karte „Klopf, Klopf“ – diese wird später unseren Überraschungsgast ins Spiel bringen. Der Kartenstapel kommt auf seinen entsprechenden Platz des Außenspielplans, und der Mond-Marker wird zunächst darauf abgelegt.

Den fünf Opfern werden Farben zugewiesen, indem wir Marker mit Abbildungen von ihnen auf die entsprechenden Plätze des Spielfelds legen. Danach legen wir kleine Plastikwürfel der entsprechenden Farben auf die Lebenspunktleiste – je nach Charakter sind dies 3 bis 5.

Alle Figuren haben eigene Fächer

Nun sucht sich jeder der bis zu fünf SpielerInnen eine der sieben enthaltenen Monsterfamilien aus. Zur Auswahl stehen Vampire, Werwölfe, Aliens, Zombies, Mumien, Golems (eine Art Frankensteins Monster) und Psychopathen (quasi Kettensägenmörder und Co). Jede Familie besteht aus einem Vater, einer Mutter und einem Kind. Zu jeder Figur gibt es eine Profilkarte.

Außerdem gibt es zu jeder Familie fünf spezifische Objektkarten, die wir mit den drei Fallen- und sieben zufälligen Aktionskarten zusammen mischen. Dieser Kartenstapel wird nun auf die vorgesehenen Felder für die jeweiligen Räume verteilt. Je größer der Raum, umso mehr Karten. Wie viele Karten genau in jeden Raum bei welcher Spielerzahl kommen ist dankenswerterweise auf dem Spielbrett abgebildet. Die Profilkarten unserer Opfer mischen wir nun ebenfalls, und legen auf jeden Raum-Kartenstapel eine der Karten.

Alle SpielerInnen erhalten zudem je einen Marker pro Opfer. Hiermit legen alle verdeckt fest, was sie tippen, wann wer sterben wird. Außerdem markieren alle mit einem Ziel-Marker ihr Lieblingsessen – schließlich riechen Teenager nicht nur unterschiedlich, sie schmecken auch alle anders!

Beispiele für Karten:

  • Obere Reihe links, Mitte: Objektkarten – gewähren dem Opfer 3 bzw. 1 Würfel zur Verteidigung (links unten) sowie einen Extrawürfel gegen Werwölfe (rechts unten).
  • Obere Reihe rechts: Eine Monster-Charakterkarte – rechts oben das Familiensymbol, darunter die Anzahl Aktionen (Blitzsymbol), Würfel für Aktionen und ein grafischer Hinweis auf die Sonderfähigkeit.
  • Untere Reihe links: Eine Fallenkarte
  • Untere Reihe Mitte: Eine Aktionskarte
  • Untere Reihe rechts: Opfer-Charakterkarte – rechts zu sehen sind die Lebenspunkte und darunter ein grafischer Hinweis auf die Sonderfähigkeit.

Spielerzug

Ein Vampir und ein Psycho in der Küche

Alle Monster starten außerhalb der Hütte – aber das wird sich schnell ändern. Im eigenen Zug aktiviert man eines seiner Monster und kann mit diesem Aktionen durchführen. Generell gilt: Väter haben 2 Aktionen und 4 Würfel für Proben, Mütter 2 Aktionen und 3 Würfel, Kinder 3 Aktionen und 2 Würfel. Die erste Bewegungsaktion ist immer kostenlos und zählt nicht gegen die Aktionen.

Mögliche Aktionen:

  • Bewegung: Das Monster wird ein Feld beziehungsweise in einen benachbarten Raum weit bewegt. Wird ein Raum das erste mal betreten, wird der Kartenstapel gemischt – das Opfer liegt so nicht mehr oben auf. Damit wird dargestellt, dass sich der Leckerbissen versteckt.
  • Tür zerstören: Monster können, im Gegensatz zu Menschen, keine Türen öffnen und diese nur zerstören. Hierzu wird eine Würfelprobe gemacht, ein Erfolg ist ausrei Die Tür kommt in den Bereich des Spielers und ist am Spielende einen Siegpunkt wert.
  • Nachsehen: Aus einem benachbarten Raum linsen. Die oberste Karte des Raumstapels wird heimlich angesehen und wieder zurück gelegt.
  • Den Raum durchsuchen: Hierzu wird eine Würfelprobe abgelegt. Für jeden Erfolg zieht man vom Kartenstapel des Raum eine Karte – bis zum Maximum von sieben Handkarten. Fallen müssen, sobald man sie zieht, abgehandelt werden. Ebenso werden gezogene Opferkarten sofort aufgedeckt und offen sichtbar beiseite gelegt. Die Charakterfigur wird dann im Raum aufgestellt.
  • Erschrecken: Einen Studenten im gleichen oder benachbarten Raum (auch durch verschlossene Türen hindurch) erschrecken. Einfache Würfelprobe, für jeden Erfolg darf die Figur einen Raum weit bewegt werden.
  • Angreifen: Ein Opfer im selben Raum angreifen und versuchen zu fressen. Die restlichen Mitspieler können sich darauf verständigen, dem Opfer zu helfen, indem sie diesem EINE Objektkarte geben. Hierzu muss man nicht im gleichen Raum sein. Die Objektkarten gewähren grundsätzlich 1 bis 3 Verteidigungswürfel, sowie einen zusätzlichen gegen die auf der Karte angegebenen Monsterfamilie – bei Werwölfen zum Beispiel sind dies Gegenstände aus Silber.
    Für jeden Erfolg, den der Angreifer mehr wirft als der Verteidiger, erleidet dieser eine Wunde, während der Angreifer ein Stück Fleisch frisst. Hat dagegen das Opfer mehr Erfolge gewürfelt, wird das Monster aus dem Raum gestoßen.

Für gefressenes Fleisch erhält man entsprechende Marker, die am Spielende 2 Siegpunkte wert sind. Haben wir zudem den letzten Lebenspunkt eines Opfers gefressen, erhalten wir dazu einen Knochen-Marker, der ebenfalls 2 Siegpunkte wert ist.

Alien-Mama und -Papa, gemeinsam im Schlazimmer

Nach dem Tod eines Opfers deckt jeder Spieler diesen nun in seiner jeweiligen Tippreihenfolge aka Nekrologie-Ordnung auf. Lag man richtig mit der Position, erhält man einen Hirn-Marker, welcher 3 Siegpunkte wert ist. Hat man übrigens sein vorher festgelegtes Lieblingsessen selbst getötet, erhält man einen Ziel-Marker, der ganze 5 Siegpunkte wert ist.

Haben alle SpielerInnen ihren Zug durchgeführt, rückt der Mondmarker eine Stunde weiter (beziehungsweise nach der ersten Runde auf das erste Zeitfeld, Mitternacht) und es wird eine Karte für ein Nächtliches Ereignis gezogen. Hier sind zumeist Effekte und Sonderregeln zu finden, unter den obersten Karten findet sich jedoch auch jene, die einen Überraschungsgast ins Spiel bringt. Derer gibt es fünf, die ganz zufällig an ikonische Figuren wie Ghostbusters, Indiana Jones oder Ash erinnern.

Wie auch die regulären Opfer kann man sie angreifen und fressen, und ebenso wie die Studenten bringen sie auch jeweils eine eigene Sonderregel mit. Apropos: Auch jede Monsterfamilie hat eine Sonderfähigkeit – beispielsweise extra Aktionen oder -Würfel.

Während die Vamoir-Familie komplett im Schlafzimmer ist, ist es ziemlich voll in Bad und WC

Die Opfer dagegen haben als Fähigkeiten zum Beispiel das automatische Negieren eines Erfolgs, Extrawürfel oder das Rauswerfen des Monsters, unabhängig von den Erfolgen. Die Fähigkeiten der Überraschungsgäste sind etwas ausgefallener – zum Beispiel behält der Gast, der Ash ähnelt, den ersten Gegenstand den er behält permanent.

Ein einmal aktiviertes Monster steht übrigens erstmal nicht mehr zur Verfügung. Erst um 2 Uhr und 5 Uhr – wenn jedes Familienmitglied einmal am Zug war – werden alle aufgefrischt und können wieder ausgewählt werden.

Spielende

Das Spiel endet, wenn die Sonne um 8 Uhr morgens aufgeht – oder es keine möglichen Opfer mehr gibt. Die Siegpunkte werden zusammengezählt, wessen Familie die meisten ansammeln konnte hat gewonnen.

Szenarien und enthaltene Erweiterungen

Das humorige und mit Liebe zum Detail gestaltete Spiel überzeugt bereits in der Basisvariante – auch über die ersten zehn Partien hinaus. Die Box bietet dennoch weitere Abwechslung. So gibt es 5 spezielle Objektkarten, die optional in die Kartenstapel ergänzt werden können. Diese Objekte haben keine Boni gegen bestimmte Familien, dafür aber eigene Sonderregel – die leider nicht auf der Karte stehen, sondern nur im Regelheft.

Der Geräteschuppen wird einfach ans Spielfeld angelegt

Umfassender ist da der Geräteschuppen – ein kleines Spielfeld zum Anlegen, inklusive Wänden. Mit dieser Erweiterung können bis zu zwei Opfer sich dort einschließen, ohne dass die Monster den Unterschlupf betreten können. Allerdings können sie durch die Fenster angreifen. Die Opfer verteidigen sich dort automatisch mit dem, was sie finden – die 5 Spezial-Objektkarten, die hierfür auf einen eigenen Stapel neben den Schuppen gelegt werden.

In einem separaten Heft neben der Anleitung sind zudem insgesamt 8 Szenarien enthalten. Diese bringen jeweils eigene Sonderregeln und Ereignisse mit, die überwiegend auch mit eigenen Markern das Grundspiel ergänzen. So gibt es beispielsweise Feuer in der Hütte, die Möglichkeit den Wald zu erkunden, Glyphen mit auslösbaren Effekten – oder auch (endlich!) die Möglichkeit, andere Monster zu attackieren.

Übrigens gibt es generell auch die Möglichkeit, einzelne oder alle der Studenten durch Überraschungsgäste zu ersetzen. Für jene gibt es ebenso Marker für die festzulegende Nekrologie-Ordnung.

Daten & Sonstiges

  • Verlag: Ankama und Board Game Box
  • Autor: Henri Pym
  • Erscheinungsjahr: 2019
  • Sprache: Deutsch
  • Spieleranzahl: 2 – 5
  • Alter: 14+
  • Spieldauer: 45 – 60 min
  • Preis: 90 EUR

Bei Board Game Box lassen sich online sowohl die Anleitung als auch das Szenario-Heft finden.

Der ursprüngliche Kickstarter für die englische und französische Version spielte im November 2017 knapp 400.000 EUR ein. Die Auslieferung erfolgte pünktlich rund ein Jahr später. Die deutsche Fassung folgt wenige Monate später im Frühjahr diesen Jahres.

Im Mai dieses Jahrs kamen rund 110.000 EUR zusammen in einer zweiten Kickstarter-Kampagne, die als Erweiterung einen Keller zur Hütte hinzufügen wird. Auch diese Erweiterung wird in deutscher Sprache bei Board Game Box erscheinen.

Fazit

Kein anderes Spiel hat bisher beim Support so eingeschlagen wie dieses – und wir sind nicht überrascht. Monster Slaughter besitzt überwiegend hochwertiges Material inklusive 3D-Hütte, ansehnlicher High-Quality-Brettspielfiguren und einer ausgestalteten Liebe zum Detail und Referenzen auf Horror- und Popkultur. Lediglich die Verarbeitung der Türen und einige ungewöhnliche Formulierungen (beispielsweise „Nekrologie-Ordnung“ oder „Münzen“ als Bezeichnung für runde Marker) sind kleine Kritikpunkte – die dem Spaß jedoch keinen Abbruch tun.

Spielerisch überzeugen eingängige und leichte Regeln, schnelle Spielzüge und eine wunderbare Mischung aus eigener Handlung und Interaktion – oder eher: anderen in die Parade fahren. Glückslastig ist es natürlich – was sich aber absolut richtig anfühlt. Es ist spielbarer Horror-Trash, ohne den Anspruch ein taktischer Brocken zu sein, sondern stattdessen ein unterhaltsames Spiel zur reinen Unterhaltung. Was gut gelingt!

Auch der Umfang weiß zu gefallen – dank mehr Familien und Figuren als benötigt werden in einer Partie, sowie den optionalen Erweiterungen mitsamt Spielerweiterung und diversen abwechslungsreichen Szenarien. So bleibt einiges an Varianz, die jedoch nicht einmal nötig wäre, da auch das Basisspiel über viele Spielabende gefällt und dazu einlädt, immer mal wieder ausgepackt und für eine spaßige Runde aufgebaut zu werden. Kurzum: Ein spielerischer Knaller, den man nur empfehlen kann.

 

Titelbild: Board Game Box
Fotografien: Team Fresssack

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