Review: Attack on Titan – The Deck-Building Game – kooperativ die Mauern schützen

Attack on Titan ist weltweit eine der erfolgreichsten Anime-Serie der letzten Jahre. Erfolgreich genug, um mehrere Brett-/Kartenspielumsetzungen zu erhalten. Wir haben uns im kooperativen Deckbuilder von Cryptozoic ins Gefecht gestürzt.

Dieses Spiel wurde privat angeschafft. Es gehört nicht zu unserem Fundus an Spielen, welche wir auf Events supporten.

Thematik

Das Spiel schmeißt uns direkt in die Action der Erfolgsserie: Übergroße Titanen greifen die letzte verbliebene Stadt der Menschen an, die – noch – von hohen Mauern umringt und beschützt wird. Wir übernehmen mit bis zu fünf SpielerInnen jeweils die Rolle eines Charakters, von denen uns sieben beziehungsweise acht (mit Promo, die aber wohl in jeder Box enthalten ist) zur Auswahl stehen:

  • Außer einem Abbildung befindet sich auf jeder Charakterkarte auch eine Sonderregel

    Conny

  • Armin
  • Eren
  • Erwin
  • Hange
  • Levi
  • Mikasa
  • Sasha

Unser Ziel ist es, die diversen Titanen abzuwehren und möglichst zu vermeiden, dass diese von den Titanen zerstört werden.

Spielmaterial

Die Box hat eine Sortiereinlage – schließt aber leider nicht bis zum Deckel ab

Insgesamt sind 188 Spielkarten enthalten. Davon sind jedoch 88 Stück Startkarten, Wunden und eine allzeit verfügbare Basiskarte. Hinsichtlich Abwechslung bleiben so letztlich nur 100 Karten übrig – nicht gerade viel. Allerdings muss man diesem Stapel zugutehalten dass die meisten Karten einmalig sind, nur einzelne Kartenarten sind in doppelter Ausführung vorhanden. Nachteil hieran ist jedoch, dass das Spiel einen höheren Glücksfaktor hat – was grundsätzlich aber auch als stimmig zur Thematik angesehen werden kann. Chaos gehört ja irgendwo dazu.

Während diese Karten Standard-Pokerkartengröße haben, sind die Charakterkarten etwas größer – was ein Verwechseln verhindert, dafür jedoch ein Schützen mit Hüllen sabotiert. Zu jedem Charakter gibt es einen Pappaufsteller, wobei jedoch nur fünf Standfüße enthalten sind – was für die maximale Spielerzahl ausreicht.

Die Aufsteller zeigen auf einer Seite die ganze Figur, auf der anderen nur das Gesicht

Diese Pappfiguren sind auf äußerst stabiler Pappe gedruckt – wie auch die meisten Marker, inklusive großem Startspielermarker (mit Regel-Hinweisen) und den großen Mauer-Markern. Das Gegenteil davon sind die Wundenmarker. Diese sind zwar von der Anzahl ausreichend, allerdings nicht sonderlich gut gestanzt. Vor allem aber sind sie fummelig-klein.

Spielablauf

Aufbau

Jeder Spieler erhält identische Startkarten: 7x „Courage“ (gibt 1 Power – Spielwährung zum Erwerb neuer Karten und Bekämpfen von Titanen) und 3x „Thrust“ (gibt 2 Bewegung – wird benötigt um die eigene Figur zu anderen Bereichen zu bewegen).

Die Basiskarte „3D Gear“, die Wunden und der verdeckte Stapel an „Titans on Attack“-Karten werden griffbereit beiseite gelegt.

Ein Mauer-Marker (oben) sowie Verwundungsmarker und Mauern-Lebenspunkte (unten)

Die fünf Mauer-Marker werden nebeneinander ausgelegt – diese repräsentieren die jeweiligen Spielbereich, wobei jeder einen Innen- als auch einen Außenbereich besitzen. Auf jeden Bereich kommen zwei Marker jener Mauern darauf, welche damit dargestellt werden sollen. Die beiden äußersten Bereiche zeigen Mauer Maria, die zwei folgenden Mauer Rose und die letzte, innerste Mauer steht für Mauer Sina. Spielerisch ist dies jedoch völlig gleichgültig.

Der Aufbau des Hauptdecks verläuft etwas komplizierter und kann beim ersten Lesen durchaus verwirren. Zunächst formen wir je einen Stapel für Erzfeind-Titanen von jedem der vier Level – im ersten Level gibt es nur einen, in den weiteren drei. Dies restlichen Karten werden gemischt auf sechs ungefähr gleichgroße Stapel verteilt. Nun mischen wir die oberste Karte von Level 4 in den Kartenstapel 4 und platzieren diesen danach auf Kartenstapel 5. Die oberste Level 3-Karte mischen wir in Kartenstapel 3 und setzen diesen Stapel auf den vorherigen. Danach das gleiche Spiel mit Level 2/Kartenstapel 2 und Level 1/Kartenstapel 1. Zuletzt kommt Kartenstapel 6 oben auf den Stapel.

Letztlich haben wir so eine gewisse Verteilungssicherheit – die Erzfeind-Titanen werden weder in den ersten Zügen auftauchen, noch können sie ganz unten im Deck sein. Zudem ist sichergestellt, dass sie in aufsteigenden Levels (ergo Schwierigkeitsgrad) auftauchen.

Zuletzt wird in jeden der fünf Innenbereiche eine Karte vom Hauptdeck gespielt. Zieht man einen Titanen, wird dieser abgelegt, der Bereich bleibt dann zunächst leer. Nun kann das Abenteuer beginnen.

Spielerzug

Zu Beginn jeder Spielrunde, inklusive der ersten, werden Karten vom Hauptdeck gezogen und ins Spiel gebracht – exakt so viele, wie SpielerInnen teilnehmen. Die Karte werden in Reihenfolge abgehandelt – man legt sie in den Innenbereich, in welchem die wenigsten Karten ausliegen. Bei Gleichstand in jenen, der am weitesten außen ist. Hat man einen Titanen gezogen, kommt dieser in den jeweiligen Außenbereich. Die meisten Titanen bringen einen Effekt mit, der sofort wenn sie auftauchen abgehandelt wird. Dazu gehört beispielsweise das Zufügen von Wunden, das Zerstören als auch das Ablegen von Karten. Generell betreffen diese Effekte nur jene SpielerInnen, die sich im entsprechenden Bereich aufhalten – dabei ist es aber egal, ob im Innen- oder Außenbereich.

Ein Blick auf den Spieltisch

Nach dem Auslegen neuer Karten entscheiden die Spielenden gemeinsam, wer StartspielerIn wird für diese Runde – eine wichtige Entscheidung, denn das taktische und koordinierte Vorgehen wird im Verlauf immer wichtiger.

Im eigenen Zug stellt man zunächst seine Figur in einen den Innenbereiche – sofern die Figur noch nicht auf dem Spielfeld ist. Danach spielt man beliebig viele Karten von der Hand aus, um so Power und Move zu generieren, als auch etwaige Karteneffekte auszulösen. Hiernach kann man sich beliebig bewegen (unter Verbrauch der Move-Punkte) und Karten im eigenen Innenbereich erwerben (mit Power). Es ist auch möglich, sich zu bewegen, eine Karte zu kaufen, und sich weiterzubewegen. Eine Begrenzung der möglichen Käufe existiert nicht. In Außenbereichen kann man dort vorhandene Titanen bekämpfen. Dies geschieht ebenfalls durch das Ausgeben von Power – bloß dass man die Karten danach nicht deckbuilding-typisch in seinen Ablagestapel legt sondern aus dem Spiel entfernt. Gekaufte Karten wandern natürlich in den Ablagestapel, der als neuer Nachziehstapel gemischt wird, sobald jener leer ist.

Drei Charaktere gegen Titanen – darunter der Level-4-Erzfeind

Am Ende des eigenen Zugs werden alle gespielten sowie alle noch übrigen Handkarten abgelegt, und es wird eine neue Hand aus fünf Karten gezogen. So geht es reihum, bis alle einmal dran waren. Am Ende der Runde fügen vorhandene Titanen den Mauern, an denen sie sich befinden, Schaden zu. Normale Titanen einen, Erzfeind-Titanen sogar zwei. Da jeder Bereich nur zwei Lebenspunkte hat (und es nur fünf Bereiche gibt) brandgefährlich! Alternativ kann ein Held im jeweiligen Außenbereich Mauerschaden verhindern – erhält dafür jedoch je eine Wunde.

Wenn eine Mauer keine Lebenspunkte mehr hat, wandern die dortigen Titanen zur nächst-inneren Mauer. Alle anderen Karten im zerstörten Bereich werden entfernt, Helden werden aus dem Spiel genommen (und können sich bei der nächsten Aktivierung neu positionieren). Die rechts und links verbleibenden Bereiche gelten nun als zueinander benachbart.

Spielende

Das Spiel ist gewonnen, wenn alle vier Erzfeind-Titanen besiegt wurden.

Alternativ verliert man, wenn alle Mauern zerstört sind, keine Karten vom Hauptdeck mehr ausgelegt werden können, oder zu viele Helden gestorben sind – drei bei 2 – 3 SpielerInnen, zwei bei 4 – 5 SpielerInnen.

Die Ableitung auf mattem Papier beinhaltet auch Beispiele, ist aber vor allem sehr textlastig

Sterben kann man durch Wunden. Hat man eine solche auf der Art, muss man sie als erstes zu Beginn des eigenen Zuges ausspielen. Dort bleibt sie bis zum Beginn des nächsten Zuges. Zieht man im eigenen Zug weitere Wunden oder erhält solche, stirbt man – ebenso natürlich wenn man zu Beginn zwei oder mehr Wunden auf der Hand hat.

Sofern das Spiel nach einem Tod nicht verloren ist, geht es weiter. Der gestorbene Charakter wird ersetzt durch einen neuen, der im nächsten Zug startet – jedoch mit dem gesamten Nachzieh- und Ablagestapel der verstorbenen Figur. Nur die ausgespielten sowie die Handkarten sind verloren. Was aber gut ist: Man sortiert auch alle Wunden heraus und legt diese zurück in den Vorrat.

Kartenarten und Besonderheiten

Attack on Titan macht als Deckbuilder einiges anders als die Konkurrenz – was es zu einem überaus eigenen Spiel macht. Da wäre zunächst der Mechanismus mit der Bewegung – nicht nur passend, sondern auch taktisch relevant: Wieviel Bewegung braucht man? Wohin will man? Schließlich gibt es in jedem Bereich andere Karten zu kaufen, und auch die Titanen kann man nur im jeweiligen Bereich bekämpfen.

Nur eine Karte ist überall verfügbar zum Kauf – das 3D Gear. Diese gehört zu den günstigsten Karten im Spiel, ist aber spielmechanisch durchaus spannend: Generell generiert sie nur 1 Power, kann jedoch zur in den Vorrat gelegt werden, um 1 zusätzliche Power sowie 2 Move zu geben. Und Sorge, sie könnte das eigene Deck verstopfen, braucht man so auch nicht haben.

Generell unterscheiden sich die Kartenarten im Hauptdeck beziehungsweise der Auslage mehr oder weniger stark. Folgende Arten gibt es:

  • Verbündete, Ausrüstung und Manöver: Gewähren unterschiedliche Effekte je nach Kartentext. Spieltechnisch unterscheiden sie sich in erster Linie dadurch, dass diverse Effekte auf Kartenarten triggern.
  • Orte: Diese besondere Kartenart funktioniert anders. Wenn man sie von der Hand ausspielt, legt man sie auf einen Bereich, wo sie fortan dauerhaft im Spiel bleibt und ihre Effekte von allen Charakteren dort genutzt werden können.

Überhaupt ist gemeinsames Planen wichtig. Nicht nur hat jeder Charakter eine eigene Sonderregel oder Spezialfähigkeit – im Verlaufe wird es zudem sehr entscheidend sein, zu planen wer Wunden nimmt um die Mauern zu schützen, wer StartspielerIn sein wird oder welche Figur von den anderen supportet werden soll, um ausreichend Power zu haben für den finalen Schlag gegen die Erzfeind-Titanen.

Ein Erzfeind-Titan (links) und ein normaler (rechts)

Denn während normale Titanen „nur“ bis 5 Power zum Bezwingen benötigen, ist der Kampf gegen die Erzfeinde weitaus schwieriger und dauert meist mehrere Runden. Zunächst muss diesen mittels Power Schaden zugefügt werden, bis zu einem Schwellenwert von bis zu 40 (!). Erst wenn dieser Schaden vorhanden ist, kann der finale Schlag auf üblichem Weg erfolgen – was jedoch bis zu 15 Power kostet. Die von einem Charakter in einem Zug erfolgen müssen. Und um es noch schwieriger zu machen: Nach dem Spielen der Karten wird eine „Titan on Attack“-Karte gezogen und abgehandelt – diese können zum Beispiel gespielte Karten zerstören oder den benötigten Power-Wert erhöhen. Man sollte vor dem finalen Schlag also besser mehr ausspielen können, als mutmaßlich benötigt wird.

Durch diese Unabwägbarkeit wird das Gefühl von Bedrohung nochmals verstärkt, was die Kämpfe gegen die vier Erzfeind-Titanen ungemein spannend macht. Allerdings natürlich zulasten des Balancings – man kann Glück haben, oder auch Pech. Ähnlich sieht es generell bei den Karten aus: Mit zwei oder drei Wunden kann man das ganze Spiel überleben, oder in der ersten Runde nach Erhalt sterben. Da die Karten des Hauptdecks meist nur einmal – manchmal zweimal – vorkommen, kann man mit Glück passende und wertvolle Karten – wie jene, mit denen man Wunden heilen kann – früh ziehen. Oder mit Pech eben nicht. So hatten wir Partien, in denen am Ende kaum Wunden im Spiel waren, weil fast alle Karten zum Heilen im Deck hatten und zudem durch einen Ort im Spiel ebenfalls geheilt werden konnte. In einer anderen Partie hatten wir keine dieser Karten und sind gefühlt chancenlos gestorben.

Daten & Sonstiges

Daten gemäß Angaben des Herausgebers:

  • Verlag: Cryptouoic Entertainment
  • Autor: Matt Hyra
  • Erscheinungsjahr: 2016
  • Sprache: Englisch
  • Spieleranzahl: 1 – 5
  • Alter: 15+
  • Spieldauer: 60 – 90 min
  • Preis: 40,00 USD

Es sind keinerlei Extras oder Erweiterungen verfügbar. Auch die Anleitung gibt es nicht online.

Fazit

Das Attack on Titan Deck-Building Game hinterlässt einen durchwachsenen Eindruck. Thematisch für ein Kartenspiel gut umgesetzt, spielerisch für einen Deckbuilder weit abseits der Standard-Pfade. Gute Ideen, kooperatives Spiel für bis zu fünf Personen und eine gute Auswahl an Charakteren sprechen für das Spiel. Ein hoher Zufallsfaktor kann als stimmig und spannend angesehen werden, aber auch als frustrierend. Zumal das Spiel nicht gerade einfach zu gewinnen ist. Unglückliches Karten ziehen kann durchaus das Ende besiegeln; taktische Absprachen fallen dafür aber auch spürbar ins Gewicht. Dass es keine Ansätze zur Modifikation der Schwierigkeit gibt ist bedauerlich. Auch das Material schwankt ist zwar überwiegend gut, teils aber in unbefriedigender Größe.

Letztlich ist es für Fans der Serie, von herausfordernden kooperativen Spielen oder Deckbuildern an sich durchaus einen Blick wert – eine gewisse Frusttoleranz ist aber anzuraten.

Titelbild: Ausschnitt eines Scans des Ableitungs-Covers
Artikelbild: Cryptozoic Entertainment
Fotografien: Team Fresssack

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